FALSCHE GESTÄNDNISSE

Wenngleich man sich im ersten Moment fragen mag, warum jemand eine Tat gestehen sollte, die er nicht begangen hat, gibt es falsche Geständnisse.

 

Besondere Bekanntheit erlangte in Deutschland der Fall des Bauern Rupp: Dieser verschwand nach einem Kneipenbesuch. Familienangehörige gestanden in der Folge, ihn erschlagen, zerteilt und an die Hunde verfüttert zu haben. Mehrere Jahre nach ihrer Verurteilung wurde die Leiche des vermeintlichen Opfers mitsamt dessen KFZ aus der Donau geborgen - die Geständnisse konnten nicht richtig gewesen sein.

Falsche Geständnisse können verschiedene Gründe haben: So kann dem Beschuldigten im Strafverfahren für den Fall einer Absprache - mit Geständnis - eine mildere Strafe in Aussicht gestellt werden, als sie ohne Absprache zu erwarten ist. Schätzt er seine Chancen auf einen Freispruch schlecht ein, obwohl er unschuldig ist, kann ihn das zu einem falschen Geständnis verleiten.

Ebenso denkbar ist ein falsches Geständnis als Ergebnis suggestiver (beeinflussender) Befragung durch Ermittlungsbeamte. Auch Scheinerinnerungen können falsche Geständnisse - ebenso wie falsche Zeugenaussagen - begründen.

Einen interessanten ersten Einstieg in die Thematik bietet die Serie "The Confession Tapes" (Netflix).

Nach den Erhebungen des National Registry of Exonerations (hier) waren falsche Geständnisse für 12 Prozent der dort registrierten Fehlurteile im US-amerikanischen Strafverfahren (mit-)ursächlich.

Im deutschen Strafverfahren kommt ein falsches Geständnis als Wiederaufnahmegrund zugunsten des Verurteilten nur in Betracht, wenn zusätzlich neue Tatsachen oder Beweismittel vorliegen, die allein oder in Verbindung mit den früher erhobenen Beweisen geeignet sind, einen Freispruch, eine geringere Bestrafung nach einer milderen Strafvorschrift oder eine wesentlich andere Entscheidung über eine Maßregel der Besserung und Sicherung zu begründen (§ 359 Nr. 5 StPO).

Eine neue Tatsache in diesem Sinne kann der spätere Widerruf des Geständnisses sein. In diesem Fall soll der Wiederaufnahmeantrag nicht nur ernsthafte Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der früheren Angaben, sondern auch eine einleuchtende Erklärung für das frühere Falschgeständnis enthalten müssen.